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Schock bei der Ankunft: Bärin Andrea ist tot - PNP vom 30.07.08

Bärin Franzi in ihrem neuen Zuhause, das sie mit Andrea hätte teilen sollen. Vorerst ist sie auf der Quarantäne-Station. Fotos: Jörg Schlegel

Betroffenheit im Bärenpark: Eines der beiden Tiere überlebt Transport von Kroatien nach Hart nicht - Franzi ist wohlauf

(Von Renate Mandl, Bad Füssing) Sie hat ihr neues Zuhause nicht mehr erleben dürfen: Bärendame Andrea, die gestern morgen zusammen mit Artgenossin Franzi im Bärenpark angekommen ist, hat den 16-stündigen Transport von Kroatien nach Hart nicht überlebt. Die 25 Jahre alte und 170 Kilo schwere Braunbärin lag bei der Ankunft tot in ihrer Transportbox. „Das ist für uns alle ein Schock. Wir hatten uns so auf die beiden Bären gefreut, und jetzt das“, ist Adelward Niederhofer, Landschaftsarchitekt und Leiter des Bärenparks, noch Stunden später fassungslos. Um zu klären, woran die Bärendame gestorben ist, wurde sie gestern gleich in die Pathologie der Uniklinik München gebracht. Braunbärin Franzi indes ist wohlauf, wenn auch noch etwas aufgeregt.

In Kroatien nicht artgerecht gehalten
Es hätte so schön sein können: Am Dienstagmorgen wurden die ersten beiden Bewohnerinnen des Bärenparks in Hart erwartet. Sehnlichst erwartet. „Wir haben so geschuftet, damit alles für die beiden Bären perfekt ist“, erzählt Niederhofer kopfschüttelnd.Da war die Freude noch groß, wussten sie doch noch nichts vom Tod der Bärin Andrea: Dr. Arpard von Gaal (l.) und Adelward Niederhofer. Die beiden Bären Franzi und Andrea, laut Niederhofer vermutlich Geschwister aus einem Wurf, sollten in dem insgesamt elf Hektar großen Gelände des Bärenparks, in den die Gewerkschaft für Tiere bislang 1,5 Millionen Euro investiert hat, eine neue Heimat finden. Die Tiere stammen aus einem privaten Gehege in der Nähe von Rijeka, wo sie nicht artgerecht gehalten worden waren. In Hart sollten sie es besser haben. Bis an ihr Lebensende - und das hätte in zehn, 15 Jahren sein können. Doch dann, vier Tage vor der offiziellen Eröffnung des Bärenparks, sollte alles anders kommen: Andrea ist tot, nur Franzi kann ihr neues Zuhause beziehen. Dabei war zunächst alles nach Plan gelaufen. Nach einem Gesundheitscheck hatten die beiden Braunbärinnen am Montagmittag ihre Reise von Kroatien nach Hart angetreten - „in eigens dafür vorgesehenen Transportboxen in einem vollklimatisierten Massivwandanhänger“, wie Adelward Niederhofer unterstreicht. Beim Transport mit dabei waren die beiden Tierpflegerinnen Michelle Klappert und Sissy Bletschacher, der Zoologische Fachberater Dr. Dieter Heubeck, Dr. Arpad von Gaal, nach dem Tod des Bärenpark-Initiators Dr. Andreas Grasmüller Vorsitzender der Gewerkschaft für Tiere, und Mitarbeiter einer Spezialfirma für Tiertransporte. Für alles sollte gesorgt sein - nicht nur für Wasser und regelmäßige Kontrollen. Gestern morgen um 4.30 Uhr dann der ersehnte Moment, der sich allerdings in einen Albtraum verkehren sollte: Der Transporter aus Kroatien kommt in Hart an, wo bereits Medienvertreter ausharren. Im so genannten Drehkreuz, einem Haus mit großen Stahlkäfigen, sollen die Boxen abgeladen werden. Doch während es Franzi gut geht, rührt sich in Andreas Box nichts mehr. Dr. Dieter Heubeck kann nur noch den Tod des Tieres feststellen. „Ein schrecklicher Moment für alle, da sind schon Tränen geflossen“, erinnert sich Adelward Niederhofer. Doch was war die Ursache für den Tod des Tieres? „Wir wissen es nicht“, ist Niederhofer ratlos. „An der Temperatur im Transporter kann es nicht gelegen haben, der war ja vollklimatisiert. Vielleicht lag es an der Narkose vor der Gesundheitsprüfung oder der Beruhigungsspritze für den Transport. Vielleicht hatte die Bärin aber auch einen gesundheitlichen Vorschaden“, zählt er die naheliegendsten Möglichkeiten auf. In einem Transporter verlässt die tote Andrea den Bärenpark bei Hart. Das Tier war auf dem Transport nach Deutschland gestorben.Die Spekulationen werden wohl erst ein Ende haben, wenn das Ergebnis der pathologischen Untersuchung an der Uniklinik München vorliegt. Bärin Franzi unterdessen macht sich bereits mit ihrem neuen Domizil vertraut - zunächst in zwei Innen- und zwei Außenboxen im so genannten Drehkreuz. „Sie war anfangs ein bisschen aufgeregt und rebellisch, ansonsten geht es ihr aber gut. Sie hat auch schon etwas gefressen“, so Bärenpark-Leiter Niederhofer. Wenn der Tierarzt dann grünes Licht gibt, hat die Quarantäne für Franzi ein Ende, dann kann sie ins Eingewöhnungsgehege umziehen. Auch wenn der Tod Andreas große Schatten auf die Bärenpark-Einweihung am Samstag geworfen hat, wird die Festivität wie geplant stattfinden. Um 10 Uhr beginnt der Festakt für geladene Gäste, ab 13 Uhr kann sich die Bevölkerung ein Bild vom Bärenpark machen - und per Videoübertragung einen Blick auf Solistin Franzi werfen.

Quelle: Passauer Neue Presse